sozialdeppen.
  Die Fabel vom Arschloch.
 

Tagtäglich sorgte die Wanderameise dafür, dass die Kornkammern ihrer Könige und Königinnen  gut gefüllt waren. War es ein schlechtes Jahr, so verteilte sie die Ernte nicht unter allen, sondern servierte den Adligen und engstem Hofstaat - wie immer - ein opulentes Mahl, das niedere Volk aber versorgte sie mit wenigen Körnern. Gerade genug, um über den Winter zu kommen. Das Ameisenvolk widersprach nie. Schließlich war es gewohnt, die meiste Arbeit zu verrichten und den geringsten Ernteanteil zu erhalten. Weil die Wanderameise aber ihre Arbeit in den Augen der Könige stets hervorragend verrichtete, durfte sie am Tisch der Adligen speisen, ihren Wein trinken und ihre Musik hören.

"Du ausbeuterisches Arschloch" schrien die Ameisen vom Nachbarhügel. "Du lässt dein Volk verhungern und die Könige werden immer fetter!" Die Stimmen wurden wachsend lauter und die Jahre zogen dahin. Die Ernten entwickelten sich stets schlechter und es kam der Tag, an dem die Wanderameise entschied, den Königen nicht mehr zu dienen, nicht mehr mit ihnen zu essen und das Volk zu nicht mehr zu missachten.  "Ich muss selbst Königin werden", dachte sie und begann, ihre Idee in die Tat umzusetzen.

Sie baute einen Hügel, organisierte Ernten und verteilte das gesammelte Gut gerecht unter den Helfern. Sie selbst könnte noch ein, zwei Jahre von ihrem ehemals angefressenen, dicken Ranzen zehren, dachte sie sich - und entsagte dem Mahl. Sie ließ nicht ernten, sondern stand jeden Tag mitten unter den Helfern und trug gemeinsam die Früchte in den Bau.

"Du pseudosoziales Arschloch" schrien die Ameisen vom Nachbarhügel. "Du magst deinem Volk ausreichend zu Essen geben, aber du bist jetzt ein König. Und Könige sind verlogen und schlecht!" Die Stimmen wurden lauter und die Jahre zogen dahin. Die Ernten wurden besser und die Königin bat darum, schwache Ameisen aus anderen Völkern aufzunehmen. "Ich habe Kraft und Talent. Ich muss mehr tun als nur meinen kleinen Hügel über den Winter bringen", dachte sie und begann, ihre Idee in die Tat umzusetzen.
Sie traf sich mit anderen Königen und Königinnen und erzählte von ihrem Hügel, kämpfte unermüdlich dafür, dass jede Ameise im Staat eine ausreichende Grundration an Körnern bekommt und nutzte jede Gelegenheit, ihre Ideen für eine neue Welt unter die Ameisen zu bringen.

"Du selbstgefälliges Arschloch" schrien die Ameisen vom Nachbarhügel. "Du magst Hunger gelindert und kein typischer König sein, aber dass immer mehr Menschen auf deine dummen Ideen hereinfallen, geht uns gehörig auf die Nerven!" Wie sie es anstellte und was auch immer sie tat wurde begleitet vom Geschrei der Ameisen vom Nachbarhügel. Die Königin öffnete das Fenster und rief zu den Ameisen hinüber: "Sagt mir, was ihr besser machen würdet?" Auf eine Antwort wartet sie noch heute.
 
Wer ausschließlich über andere spricht, hat selbst nichts zu sagen. Das selbst ausgestellte Armutszeugnis fauler Ameisen vom Nachbarhügel.

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